
Landessportbund Hessen ehrt bei seiner 10. Olympischen Ballnacht Hessens Sportler des Jahres
Die großartigen Erfolge hessischer Athletinnen und Athleten stellte der Landessportbund Hessen (lsb h) im Kurhaus der Landeshauptstadt Wiesbaden bei seiner 10. Olympischen Ballnacht erneut in den Mittelpunkt. Die Auszeichnung von Hessens Sportlerinnen und Sportler des Jahres war deshalb auch in diesem Jahr der Höhepunkt dieses gesellschaftlichen Ereignisses.
Über die Ehrung durften sich Hammerwerferin Betty Heidler (Sportlerin des Jahres), Schwimmer Yannick Lebherz (Sportler des Jahres), Hindernisläuferin Gesa Felicitas Krause (Newcomerin des Jahres) und Schwimmer Christian Daniel Simon (Sportler des Jahres in der Kategorie Sportler mit Behinderung) ebenso freuen wie Michael Deyhle (Trainer des Jahres) und die Mannschaft des Rollstuhl-Sportvereins Lahn-Dill (Mannschaft des Jahres). Sie alle sind erfolgreiche sportliche Leistungsträger, für viele gleichzeitig aber auch Vorbild in Sachen Fair Play, Durchhaltevermögen, Einsatzbereitschaft und Teamgeist. Diese Einschätzung spiegelte sich auch in den Reden der Laudatoren wieder.
Gewählt worden waren die Sportlerinnen und Sportler des Jahres von einer Jury, der Verlagsleiter und Chefredakteure hessischer Medien angehörten. Das Preisgeld in Höhe von insgesamt 5.500 Euro (jeweils 1.000 Euro für die Sportler, Mannschaft und Trainer des Jahres, sowie 500 Euro für den Newcomer) wurde erneut vom Casino Wiesbaden zur Verfügung gestellt. Dessen Geschäftsführer, Thomas von Stenglin, moderierte die Preisverleihung.

Über mangelndes Medieninteresse konnte sich Hessens neue (und alte) Sportlerin des Jahres, Betty Heidler, nicht beklagen. Passend zum Motto der Ballnacht – „Verry British“ –, habe sie ihre Ziele für 2012 klar formuliert, unterstrich als Laudator Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier, „die olympische Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in London und der erste 80-Meter-Wurf einer Frau!“
Ambitionierte Ziele, die mit Blick auf die bisherigen Erfolge absolut realistisch erscheinen, hält Betty Heidler doch seit dem 21. Mai diesen Jahres mit einer Weite von 79,42m den Weltrekord im Hammerwurf der Frauen.
Seit ihrem ersten ‚Siebziger‘ im Jahr 2003 gehöre die für die LG Eintracht Frankfurt startende Athletin zur absoluten Weltspitze, so der Ministerpräsident. Beleg dafür seien der Weltmeistertitel 2007 und der Europameistertitel 2010. Darüber hinaus habe die sympathische Sportlerin sowohl 2009 als auch 2011 jeweils die WM-Silbermedaille errungen. Und das in einer Sportart, die noch vor Jahren eine reine Männerdomäne gewesen sei.
„Aber auch die starken Frauen beeindrucken durch technisch ausgereifte Bewegungsabläufe. Und sie machen, wie unsere Preisträgerin beweist, nicht nur im Ring eine gute Figur“, so Volker Bouffier.

Mit Yannick Lebherz durfte sich an diesem Abend ein Schwimmer über die Auszeichnung freuen. Der Athlet des DSW 1912 Darmstadt wurde im Kurhaus zu Hessens Sportler des Jahres ausgerufen. Sehr zur Freude der Präsidentin des Deutschen Schwimmverbandes, Dr. Christa Thiel, der es vorbehalten war, die Erfolge des jungen Sportlers zu würdigen.
Der aktuelle Deutsche Rekordhalter über die 400m Lagen habe seine ersten internationalen Erfolge schon 2007 erzielt. Da konnte Yannick Lebherz einen kompletten Medaillensatz von der Junioren-EM in Antwerpen mit nach Hause bringen.
Nach der WM 2009 und der EM 2010, wo Lebherz jeweils das Finale erreichte, sei bei der Kurzbahn-EM im November 2010 in Eindhoven dann „der Knoten geplatzt“, unterstrich Christa Thiel. Lebherz wurde dabei Europameister über 200m Rücken und sicherte sich über die 400m Lagen die Silbermedaille.
Dass sich der „Darmstädter Bub“ aber auch außerhalb des Beckens ehrenamtlich für seinen Sport engagiert, hob die DSV-Präsidentin besonders hervor. So ist der Sportsoldat sowohl im Verein wie auch im Schwimmbezirk Süd des Hessischen Schwimmverbandes als Pressewart tätig. Mit der Auszeichnung zu Hessens Sportler des Jahres wurde er an diesem Abend aber erstmal wieder selbst zum gefragten Gesprächspartner für seine professionellen Kollegen der schreibenden Zunft.

Die Auszeichnung „Newcomer des Jahres“ ging in diesem Jahr an eine junge Sportlerin, für die das Jahr nicht nur aus sportlicher Sicht ein besonderes bleiben wird. Ihre sportlichen Erfolge würdigte im Friedrich-von-Thiersch-Saal Hessens Sportminister Boris Rhein. Der zeigte sich beeindruckt, kann die 1992 in Ehringshausen geborene Gesa Felicitas Krause doch schon jetzt auf eine beeindruckende Titelsammlung verweisen.
So gewann die junge Athletin, die für die LG Eintracht Frankfurt startet, bereits 2009 ihren ersten nationalen Titel über 1.500m und über 1.500m Hindernis. Nach einem siebten Platz bei der U18-Europameisterschaft im gleichen Jahr wurde Krause 2010 bei der U20-WM Vierte.
In diesem Jahr schaffte die Abiturientin schließlich den Sprung nach ganz oben. Über 3000m Hindernis sicherte sie sich den Titel bei der U20-Europameisterschaft.
Der Höhepunkt in ihrer jungen Karriere sollte aber noch folgen. Nachdem sie auf dem Diamond League Meeting in London einen sechsten Platz mit europäischem Juniorenrekord belegte, wurde sie vom Deutschen Leichtathletik-Verband für die Weltmeisterschaften in Deagu nominiert.
Als jüngste deutsche Teilnehmerin gelang ihr – wieder in Rekordzeit – der Einzug ins Finale. Dort belegte sie als beste Europäerin einen herausragenden neunten Platz. „Natürlich wieder in Bestzeit“, so Innenminister Rhein, der Hessens Newcomerin des Jahres nicht nur zu diesen sportlichen Leistungen beglückwünschte, sondern ihr auch den damit verbundenen Preis überreichte.

Trotz einer Sehbehinderung liegen die sportlichen Wurzeln des Sportlers des Jahres in der Kategorie Behindertensport nicht in seiner heutigen Paradedisziplin. „Vielmehr jagte er, wie viele andere Kinder in seinem Alter auch, dem runden Leder auf dem Sportplatz nach“, freute sich Fußballfan Dr. Helmut Müller.
Der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt hob in seiner Laudatio aber auch die sportlichen Erfolge des Schwimmers Christian Daniel Simon heraus. Der gewann 2007 die erste von mittlerweile 13 Medaillen bei Welt- oder Europameisterschaften. „Und das, obwohl der heute 22-jährige Student der Wirtschafts- und Politikwissenschaft erst im März 2004 mit dem Behinderten-Leistungssport im Schwimmen begann“, so Müller anerkennend.
2011 sollte das bislang erfolgreichste Jahr seiner Karriere werden. Im April dieses Jahres kehrte Christian Daniel Simon von der Weltmeisterschaft der blinden und sehgeschädigten Schwimmer mit zwei Weltmeistertiteln, einer Silbermedaille sowie drei Bronzemedaillen zurück. Bei der IPC-EM gewann er außerdem eine Bronzemedaille über 50m Freistil. Mit dieser erfreulichen Bilanz sicherte sich Simon so auch nach 2010 die erneute Auszeichnung zu Hessens Sportler des Jahres in der Kategorie Sportler mit Behinderung.

Die Mannschaft des Jahres 2011 ist zweifellos eine der erfolgreichsten hessischen Mannschaften überhaupt, sowohl national wie international. Dass sie trotzdem oft auf die verdiente Aufmerksamkeit durch die Öffentlichkeit verzichten muss, bedauerte Prof. Dr. Heinz Riesenhuber in seiner Laudatio. Die Rede ist von der erfolgreichen Mannschaft des Rollstuhl-Sport-Vereins Lahn Dill.
1998 wurde die Mannschaft um Trainer Nicolai Zeltinger erstmals Deutscher Meister. Den letzten ihrer bislang acht Titel gewannen sie in diesem Jahr. Gleichzeitig sicherte sich das Team – seit 2002 ebenfalls zum achten Mal – den Deutschen Pokalsieg.
„Im vergangenen Jahr gewann das Team als erste hessische Mannschaft überhaupt den Weltpokal“, unterstrich der ehemalige Bundesforschungsminister und verwies darauf, dass Spielerinnen und Spieler der Mannschaft darüber hinaus den Kern der deutschen Nationalmannschaft stellen. Die ist in diesem Jahr übrigens Europameister geworden.
Im Kurhaus genossen die frischgebackene Europameisterin Gesche Schünemann und der Manager des RSV Lahn-Dill, Sven Köppe, auf jeden Fall die ungeteilte Aufmerksamkeit des Publikums. Die beiden nahmen stellvertretend für die Mannschaft die Auszeichnung entgegen.

Der Preis „Trainer des Jahres“ ging bei der Olympischen Ballnacht an einen Mann, der nach Ansicht von Laudator Dr. Heinz-Georg Sundermann seine Trainertätigkeit nicht als Beruf, sondern als Berufung verstehe. „Dabei kann der stets bescheiden im Hintergrund auftretende gebürtige Frankfurter, der als aktiver Sportler von 1969 bis 1971 selbst in der höchsten Spielklasse dem Rugby-Ei nachjagte, auf eine ganze Liste herausragender Erfolge verweisen“, so der Geschäftsführer von LOTTO Hessen.
So habe Michael Deyhle als ehemalig Landestrainer im Hessischen Leichtathletik-Verband und heutiger Bundestrainer Sportlerinnen wie Betty Heidler, Kathrin Klaas oder Andrea Bunjes entscheidend geprägt.
„Seine von ihm geformten und geförderten Spieler gehören zu den Besten der Welt und haben zahlreiche Medaillen bei Welt- und Europameisterschaften gesammelt“, zollte Dr. Sundermann dem neuen Trainer des Jahres seine Anerkennung. „Er ist ein Mann der Praxis, der seinen Weg konsequent beschreitet und zielgerichtet arbeitet. Der Erfolg gibt ihm Recht.“

Mit Fußball-Rekordnationalspielerin Birgit Prinz (FFC Frankfurt) und Basketballer Pascal Roller (Frankfurt Skyliners) ehrte der Landessportbund Hessen zum Abschluss zwei sportliche Vorbilder, die in den vergangenen Monaten ihre Spitzensportkarrieren beendet haben. In Anerkennung ihres Wirkens im Spitzensport in Hessen, für ihre langjährige Treue und ihre herausragende Vorbildfunktion überreichte lsb h-Vizepräsident Lutz Arndt den Beiden einzigartige Sport-Portraits, die der aus Bensheim stammende Künstler Hans Borchert geschaffen hat.