Olympische Ballnacht 2017

Sportler des Jahres

Schäfer und Wieczerzac vorne

Carolin Schäfer und Alexander Wieczerzak sind Hessens Sportler des Jahres 2017. Die Ehrung der Siebenkämpferin von Eintracht Frankfurt und des Judokas, der für den JC Wiesbaden an den Start geht, war einer der Höhepunkte der 16. Olympischen Ballnacht im Kurhaus Wiesbaden.

Im festlichen Rahmen und unter den Augen zahlreicher prominenter Gäste, darunter Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier und Innenminister Peter Beuth, wurden die Preisträger der unterschiedlichen Kategorien bekanntgegeben und ausgezeichnet.
Mannschaft des Jahres wurden die United Volleys aus Frankfurt, in der Kategorie Sportler mit Behinderung erhielt die Skiläuferin Noemi Ristau von Blau-Gelb Marburg /SSG Blista die meisten Stimmen. Nachwuchssportlerin des Jahres wurde die Wiesbadener Bobsportlerin Kim Kalicki. Zu Hessens Trainer des Jahres wählte die Jury Leichtathletiktrainer Jürgen Sammert, der Carolin Schäfer auf dem Weg zur WM-Silbermedaille begleitet hat.

Gewählt hat die Preisträger eine Jury aus Chefredakteuren und Sportressortleitern hessischer Medien. Auch in diesem Jahr waren die Entscheidungen sehr knapp. Judo-Weltmeister Wieczerzak, der seinen Titel erst Ende August gewonnen hatte, machte sozusagen auf der Zielgeraden das Rennen gegen Sönke Rothenberger, Christian Reitz und Marco Koch. Das Preisgeld in Höhe von insgesamt 5.500 Euro (je 1.000 Euro für die Sportler, Mannschaft und Trainer des Jahres sowie 500 Euro in der Kategorie Newcomer) stellte erneut die Spielbank Wiesbaden zur Verfügung.

In ihren Reden hoben die Laudatoren neben den herausragenden Leistungen der hessischen Top-Sportler und -Sportlerinnen auch ihre Vorbildfunktion in Sachen Fairness, Teamgeist und Durchhaltevermögen hervor.

Hessens Sportlerin des Jahres

Freute sich und war aufgeregt: Carolin Schäfer

Ministerpräsident Volker Bouffier hatte die Aufgabe, mit Carolin Schäfer Hessens Sportlerin des Jahres auszuzeichnen: „13,09 Sekunden über 100 Meter Hürden, 1,86 Meter im Hochsprung, 14,86 Meter mit der Kugel, 23,58 Sekunden über 200 Meter, 6,20 Meter im Weitsprung, 49,99 Meter mit dem Speer und 2:15,34 Minuten im abschließenden 800-Meter-Lauf. Das ergibt Summasummarum 6.696 Punkte und die Silbermedaille im Siebenkampf bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2017 in London“,  zählte der Ministerpräsident die Ergebnisse der Polizeikommissarin aus Bad Wildungen auf.

Nach 2014 ist Carolin Schäfer zum zweiten Mal zu Hessens Sportlerin des Jahres gewählt worden. Mit dem Gewinn der Silbermedaille krönte die Siebenkämpferin, die für die LG Eintracht Frankfurt startet, eine Saison der Top-Ergebnisse. Nach vier persönlichen Bestleistungen bei den WM-Qualifikationswettbewerben in Götzis, wo sich Schäfer mit 6.836 Punkten endgültig in der Weltspitze etablierte, bedeuteten die 6.696 Punkte von London ihre erste Medaille im Erwachsenenbereich. Zehn Jahre zuvor hatte sie bereits Silber bei der U18-WM gewonnen, 2008 und 2009 sicherte sie sich WM-, bzw. EM-Titel in der U20, was ihr damals die Auszeichnung „Hessens Newcomerin des Jahres“ bescherte.

Hessens Sportler des Jahres

Wiesbadens Oberbürgermeister Sven Gerich und lsb h-Präsident Dr. Rolf Müller applaudieren dem Sieger Alexander Wieczerzak.

Hessens Sportler des Jahres startet für den JC Wiesbaden. Kein Wunder also, dass Wiesbadens Oberbürgermeister Sven Gerich die Ehre hatte, ihn  auszuzeichnen. Er ist der erste deutsche Judo-Weltmeister seit 14 Jahren und hat mit seinem Titelgewinn eine ganz schwierige Phase seines Sportlerlebens erfolgreich überwunden.

Wieczerzak war bereits 2010 U20-Junioren-Weltmeister geworden, 2015 gewann er bei den Europameisterschaften Bronze. Mit dem Titelgewinn endete für den Sportsoldaten und BWL-Studenten eine Leidenszeit, die 2016 mit einer Infektion mit dem Dengue-Fieber begann und ihn die Olympia-Teilnahme kostete. Es folgten ein Rippenbruch, eine Ellbogen-OP und ein Bänderriss im Knie, der sogar den WM-Start gefährdete.

„Die Weltmeisterschaften 2017 sollten schließlich der bisherige  Höhepunkt seiner Karriere werden. Mit Siegen u.a. gegen den amtierenden Europameister sowie den Olympiasieger von 2016 qualifizierte sich der krasse Außenseiter für das Finale in der Klasse bis 81 Kg. Dort besiegte er vorzeitig den Italien Marconcini durch Ippon“, zeichnete Oberbürgermeister Gerich den Weg zum WM-Titel nach. Diese Energieleistung hat die Jury so sehr beeindruckt, dass dem Judoka der Titel „Hessens Sportler des Jahres“ nicht mehr zu nehmen war.

Hessens Mannschaft des Jahres

Mannschaft des Jahres: United Volleys Rhein-Main.

„Wir ehren heute ein Team mit einem einzigartigen Konzept aus hochkarätigen Spielern, aktiver Talentförderung und modernsten Trainingsmethoden. Drei Spieler aus dem Team haben jüngst mit der Deutschen Nationalmannschaft die Silbermedaille bei den Europameisterschaften gewonnen. Hessens Mannschaft des Jahres 2017 sind die United Volleys Rhein Main“, gab Hessens Sportminister Peter Beuth die Siegermannschaft des diesjährigen Wettbewerbs bekannt.

Nachdem die Volleyballer in ihrer ersten Bundesliga-Saison das Halbfinale der Play-offs um die Deutsche Meisterschaft und Im DVV-Pokal 2015/16 erreichten, gelang es dem Team, diese Erfolge auch im zweiten Jahr zu bestätigen. Sie  erreichten erneut das Play-off-Halbfinale der Deutschen Meisterschaft und beim ersten internationalen Start im europäischen CEV-Pokal spielte sich das Team ebenfalls bis ins Halbfinale und verlor dort gegen den späteren Titelträger Tours Volley-Ball aus Frankreich.
In dieser Zeit schaffte es der Club, der auf junge deutsche Talente setzt, mehrere Nationalspieler hervorzubringen. Im Team, das bei den Europameisterschaften 2017 Silber gewonnen hat, standen mit  Tobias Krick, Julian Zenger und Moritz Karlitzek, sowie dem früheren United-Spieler Jan Zimmermann (Tours Volley-Ball)  insgesamt vier Spieler mit United-Volleys-Hintergrund auf dem Siegerpodest.

Hessens Sportlerin des Jahres mit Behinderung

Noemi Ristaus Guide Lucien Gerkau nahm den Preis entgegen.

„Stellen Sie sich vor, Sie stehen mit einer Augenbinde, die nur zwei Prozent des Tageslichts durchlässt, auf einem Berg. Vor Ihnen befindet sich eine alpine Skipiste mit einem Wald aus Slalomstangen. Sie stürzen sich aus dem Starthaus, nur geleitet von der Stimme Ihres vor Ihnen fahrenden Guides“, begann Günter Berz-List, Vorstand der Schwälbchen Molkerei, seine Laudatio auf Noemi Ristau.

Die stark sehbehinderte Skifahrerin, gehört zu den Besten der Welt in ihrer Disziplin und hat schon im Europacup in der vergangenen Saison auf sich Aufmerksam gemacht. Bei ihrer ersten WM gewann die Para-Skifahrerin, die für Blau-Gelb Marburg/ SSG Blista startet, die Bronzemedaille im Slalom und wurde 5. im Riesenslalom. Da sie gerade ihre Berufsausbildung abschließt und im Lernstress ist, konnte Noemi Ristau nicht an der Ballnacht teilnehmen. Stattdessen nahm ihr Guide Lucien Gerkau den Preis entgegen.

Hessens Trainer des Jahres

Widmete seinen Preis allen Trainern und Übungsleitern an der Basis: Trainer des Jahres, Jürgen Sammert ( 2. von links).

Prof. Dr. Heinz Zielinski, Vorsitzender der Stiftung Sporthilfe Hessen, war es vorbehalten mit Jürgen Sammert Hessens Trainer des Jahres 2017 auszuzeichnen. „Pascal Behrenbruch, Jan Felix Knobel, Maryse Luszolo und Claudia Salman-Rath gehörten zu seinen Schützlingen.     Den größten Erfolg seiner Trainerlaufbahn hat ihm Carolin Schäfer mit dem Gewinn der Silbermedaille bei der WM 2017 beschert.“ 

Der Trainer von Carolin Schäfer zeigte sich sichtlich gerührt von der Ehrung. „Die Top-Leistungen, die auf höchstem Niveau erzielt werden, wären nicht möglich ohne die vielen Betreuer und Übungsleiter an der Basis der Vereine“, gab sich Hessens Trainer des Jahres bescheiden. Sammert leitete die Trainingsgruppe der Frankfurter Eintracht, zu denen weitere Athleten wie der Zehnkämpfer Jan Felix Knobel und Claudia Salman-Rath gehörten. Aufgrund gesundheitlicher Probleme betreut er inzwischen nur noch Carolin Schäfer und führte sie trotz aller Widrigkeiten, die damit verbunden waren, zum Medaillengewinn.

Hessens Newcomer des Jahres

Gilt als größtes Talent im Frauen-Bobsport: Kim Kalicki aus Wiesbaden.

Hessens Nachwuchssportlerin des Jahres kommt aus Wiesbaden und sorgt seit 2015 im Bobsport für Furore. Andreas Krautwald, Geschäftsführer der Spielbank Wiesbaden zeichnete mit Kim Kalicki Hessens Newcomer des Jahres aus: „1.330 Meter Gesamtlänge mit 110 Metern Höhenunterschied und 15 Steilkurven. In Kurve 9 wird die maximale Körperbelastung mit 5 G und einer Höchstgeschwindigkeit bis zu 140 Stundenkilometern erreicht. Das sind die technischen Details der Bob- und Rodelbahn Winterberg. Der Eiskanal im Sauerland scheint der Wiesbadenerin zu liegen: schon 2016 wurde sie dort Junioren-Vize-Weltmeisterin. Am 29. Januar 2017 erzielt sie auch genau dort ihren bis dato größten Erfolg: U23-Weltmeisterin im 2er Bob. Sie gilt als das größte Talent an den Lenkseilen in der Formel 1 des Wintersports. Hessens Nachwuchssportlerin des Jahres ist Kim Kalicki vom TuS Eintracht Wiesbaden“.

Bislang verlief Kalickis Karriere bis zu einer Trainingsverletzung ziemlich geradlinig. Nach acht Wochen Pause zurück, und zunächst entsprechend schlechten Startzeiten zeigte sie bei der WM fahrerische Brillanz und bewies, dass sie nicht nur am Start schnell ist. Ihr nächstes sportliches Ziel ist die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Korea. Der Titel „Hessens Newcomer des Jahres 2017“ wird sicher eine weitere Motivation für sie sein, dieses Ziel auch zu erreichen.

Markus Wimmer

 

 

Spielbank stellt Preise

Andreas Krautwald (rechts), Geschäftsführer der Spielbank Wiesbaden, bei der Ehrung Carolin Schäfers.

Die Preise für die Sportler des Jahres wurden auch 2017 von der Spielbank Wiesbaden zur Verfügung gestellt. Von den insgesamt 5.500 Euro gingen je 1.000 an die Sportlerin, den Sportler, den Behindertensportler, den Trainer sowie die Mannschaft des Jahres. Für die Newcomerin gab es 500 Euro.